Wertvoller Austausch: Lehren und Lernen auf Dänisch
Seit 2018 kommt die dänische Diakonenhochschule nach Hamburg und besucht neben verschiedenen sozialen Einrichtungen und Hamburger Sehenswürdigkeiten auch die Evangelische Hochschule für Soziale Arbeit und Diakonie. Im Rahmen dieser Besuche steht vor allem der Austausch zwischen den beiden Studierendengruppen sowie zwischen den Vertretern der Diakonenhochschule, den Lehrenden der Evangelischen Hochschule Hamburg und weiteren Mitwirkenden des Rauhen Hauses im Fokus. In diesem Jahr begrüßten wir 29 Studierende aus Aarhus sowie Hanne Føns und Anne Trudslev aus dem Aarhuser Kollegium.
Ein Studium in Dänemark verbindet Lernen, Leben und Freizeit.
Organisiert von Prof. em. Dr. Ulrike Suhr hatten Studierende und Lehrende der Evangelischen Hochschule sowie die Gäste aus Aarhus die Gelegenheit, sich am Campus kennenzulernen. Am Vormittag erfuhren sie Wissenswertes über die Geschichte und die aktuelle Arbeit des Rauhen Hauses und über die Brüder- und Schwesternschaft des Rauhen Hauses, bevor sie zusammen mit 35 Studierenden des zweiten Semesters des Vollzeit-Bachelor-Studiums ein Seminar besuchten. Hierzu hatten die dänischen Studierenden eine Präsentation vorbereitet, in der sie zunächst ihre Hochschule vorstellten. Für die Hamburger Studierenden waren die Einblicke in den Alltag der Aarhuser Studierenden überaus spannend. Deutlich wurde das besondere Konzept dänischer Bildung, das Studium, gemeinsames Leben auf dem Campus und Freizeitaktivitäten miteinander verbindet.
„Beide Schulen haben einen besonderen Spirit“, findet Prof. em. Dr. Ulrike Suhr. „In Aarhus geht es viel um Gemeinschaft. Die dänischen Studierenden erleben bei ihrem Besuch hier hingegen, dass die Hochschule in die gesamte Institution Das Rauhe Haus eingebettet ist. Das ist ebenfalls etwas ganz Wertvolles und gehört zu uns als Hochschule.“
Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass ein Studium in Dänemark für alle EU-Bürger kostenfrei ist. Dies folgt dem Grundgedanken, jedem Menschen die gleichen Chancen auf eine gute Ausbildung zu geben. Zudem ist es relativ einfach, eine Ausbildungsförderung zu erhalten – ein Angebot, das aufgrund der hohen Lebenshaltungskosten in Dänemark oft genutzt wird.
Voneinander lernen: Gemeinsamkeiten und Unterschiede erkennen
In Kleingruppen hatten die Studierenden die Möglichkeit, sich in gemischten Gruppen zu einigen Impulsen von Prof. em. Dr. Ulrike Suhr auszutauschen. Dabei ging es beispielsweise um die Motivation, Soziale Arbeit zu studieren, oder um aktuelle politische und soziale Herausforderungen für das Arbeitsfeld der Sozialen Arbeit und Diakonie. „Das ist ein unglaublich wertvoller Austausch für unsere Studierenden“, so Hanne Føns von der Diakonenhochschule Aarhus. Sie erzählt weiter: „Viele unserer Studierenden fühlen sich einsam, da Aarhus die einzige Hochschule ist, an der Soziale Arbeit und Diakonie in Kombination gelehrt wird. Es ist schön für sie zu wissen, dass es in Hamburg Gleichgesinnte gibt.“ Auch die Hochschule in Hamburg ist die einzige konfessionelle Hochschule in Norddeutschland, an der man Soziale Arbeit studieren kann und gleichzeitig die Möglichkeit hat, sich als Diakon*in zu qualifizieren.
Auch Prof. em. Dr. Ulrike Suhr liegt dieser Austausch sehr am Herzen: „Mir ist wichtig, dass sich Studierende begegnen, die einerseits Vergleichbares studieren und sich mit vergleichbaren Themen beschäftigen. Zugleich sind die Systeme, in denen wir leben, sehr unterschiedlich, gerade was den Bereich Kirche und Diakonie betrifft. Viele der Aufgaben, die bei uns von der Diakonie wahrgenommen werden, sind in Dänemark beispielsweise staatliche Aufgaben, was auf ein anderes Steuersystem und Kirchenverständnis zurückzuführen ist. Sich darüber auszutauschen, ist für beide Seiten sehr wertvoll. Es ist eine schöne Erfahrung zu merken, dass wir Nachbar*innen sind. "Es liegt so nahe, einmal über diese Grenze zu blicken und festzustellen, wie es woanders geht, was die Herausforderungen und auch Lösungswege sind, und so den eigenen Horizont zu erweitern."
(Text und Foto: Johanna Tiedemann)
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Besuch bei bestem Hamburger Wetter: Studierende und Lehrende aus Aarhus vor dem Rauhen Haus auf dem Stiftungsgelände.