Fachtag Forschung zeigt Vielfalt wissenschaftlicher Projekte
Auf Einladung von Prof. Dr. Kathrin Hahn kamen Lehrende, Lehrbeauftragte, Studierende und interessierte Gäste zusammen, um Einblicke in laufende und abgeschlossene Forschungsprojekte zu erhalten und den Austausch über Forschung in der Sozialen Arbeit zu vertiefen. Die Veranstaltung war geprägt von einer offenen, konstruktiven Atmosphäre, die vielfältige Perspektiven auf wissenschaftliches Arbeiten ermöglichte.
Inspirierender Auftakt durch Alexa Brase
Nach einem Grußwort durch Prorektorin Jutta Wedemann, drehte sich im Eröffnungsvortrag von Dr. Alexa Brase von der Universität Hamburg (Hamburger Zentrum für Universitäres Lehren und Lernen (HUL)) alles um die Frage, welche Bedeutung das Forschen für das Lehren und Studieren hat. Sie betonte die Rolle einer forschenden Haltung als Grundlage wissenschaftlicher Bildung und hob die Suche nach Wahrheit und deren grundsätzliche Unabgeschlossenheit als Kern wissenschaftlichen Arbeitens hervor. Sie verwies auf das didaktische Dreieck, das das Zusammenwirken von Lehrenden, Studierenden und Wissenschaft beschreibt – ein Modell, das die partnerschaftliche Forschungsgemeinschaft an der Hochschule gut abbildet.
Workshops gaben Einblick in laufende Forschung
In vier parallel stattfindenden Workshops stellten Studierende, Lehrbeauftragte sowie hauptamtlich Lehrende ihre Projekte vor und diskutierten fachliche Fragen und Erfahrungen im Forschungsprozess. Die Themen spiegelten die große inhaltliche Bandbreite der Hochschule wider.
Workshop 1 – Theorie-Praxis-Verzahnung im dualen Studium:
Prof. Dr. Ute Düßler stellte das Konzept eines Entwicklungsportfolios vor. Dieses stärkt die Verbindung von Theorie und Praxis im dualen Studiengang Soziale Arbeit. Das Portfolio ermöglicht es Studierenden, ihre fachliche und persönliche Entwicklung sichtbar zu machen. Es wurde im Rahmen eines Design-Based-Research-Prozesses mehrfach erprobt und weiterentwickelt.
Workshop 2 – Motivation in der diakonischen Arbeit:
Das studentische Forschungsteam aus dem berufsintegrierenden BA-Studiengang, Kristin Garn- Eckhoff, Eva-Maria Nadler, Nadine Wiemer, Maria Kalojanov und Nadja Ristow untersuchte, was Diakon*innen in ihrer sozialpädagogischen Arbeit motiviert, und beleuchtete sowohl individuelle Beweggründe als auch strukturelle Rahmenbedingungen. Im Mittelpunkt standen Reflexionsprozesse und berufliche Selbstverständnisse, die zeigen, welche Bedeutung Sinnorientierung und Glaubensaspekte für die berufliche Praxis haben können.
Workshop 3 – Auswirkungen irregulärer Pflegemobilität:
Svenja Fischbach präsentierte Forschungsergebnisse zu den sozialen Folgen irregulärer Pflegemobilität für Care-Arbeiterinnen aus Serbien und ihre Familien. Die Studie zeigt, wie stark mobile Pflegearbeit Lebensrealitäten prägt – insbesondere durch die Belastung der Zurückgebliebenen, fragile Versorgungsstrukturen und widersprüchliche Rollenanforderungen.
Workshop 4 – Subjektbezogene Forschung in der Obdachlosen- und Drogenhilfe:
Im vierten Workshop wurden zwei Projekte zur subjektbezogenen Forschung vorgestellt, darunter eine qualitative Untersuchung zu queeren und feministischen Schutzräumen in der offenen Drogen- und Wohnungslosenhilfe, die im Rahmen einer Masterthesis von Magdalena Eder durchgeführt wurde. Ein zweites Projekt, „MoMos HuS“, das ebenfalls im Rahmen des Masterstudiums realisiert wird und von den Studierenden Freya Heinen und Julian Bossen präsentiert wurde, arbeitete partizipativ mit ehemals wohnungs- oder obdachlosen Jugendlichen und zeigte, wie wichtig anerkennende und beteiligungsorientierte Unterstützungsformen für Betroffene sind.
Wissenschaft als gemeinsamer Prozess
In der abschließenden Präsentation wurde deutlich, wie intensiv sich die Teilnehmenden mit ihren Projekten auseinandergesetzt hatten. Der Fachtag machte deutlich, dass Forschung an der Hochschule nicht nur Wissen schafft, sondern auch Lehrende und Studierende zu einer Forschungsgemeinschaft auf Augenhöhe verbindet. Dabei wurde besonders deutlich, wie sehr wissenschaftliches Arbeiten die Forschenden selbst verändert und wie stark die Wechselwirkung zwischen Forschenden, Forschungsgegenstand und Wissenschaft im Prozess erfahrbar wird.
Fotos: © Johanna Tiedemann
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(v.l.n.r.: Prof. Dr. Jutta Wedemann, Prof. Dr. Ute Düßler, Prof. Dr. Kathrin Hahn, Dr. Alexa Brase)
Gut besuchter Wichernsaal des Rauhen Hauses.