Erfahrungen und Hintergründen der Verschickungskinder des Vereins für Kinder- und Jugendgenesungsfürsorge und der Rudolf-Ballin-Stiftung

Unter der Leitung von Prof. Dr. Johannes Richter führt die Ev. Hochschule ab Januar 2021 ein auf zweieinhalb Jahre angelegtes Lehrforschungsprojekt zu den „Erfahrungen und Hintergründen der Verschickungskinder des Vereins für Kinder- und Jugendgenesungsfürsorge und der Rudolf-Ballin-Stiftung“ durch. Für die Begleitung der Forschungs- und Entwicklungswerkstatt, an der ab dem Wintersemester 2021/22 rund 12 Master-Studierende teilnehmen werden, steht eine noch zu berufende weitere, in der empirischen Sozialforschung erfahrene Lehrperson zur Verfügung.

Master Soziale Arbeit
Projektzeitraum:

Januar 2021 – Juli 2023
Forschung_Kinderverschickung_eh
@rauheshaus.de

 

Lehrende

Kontext

In der medialen Berichterstattung erhalten seit 2019 die Erfahrungen und Erinnerungen von Verschickungskindern verstärkte öffentliche Aufmerksamkeit – Menschen, die in noch jungen Jahren getrennt von ihren Familien für mehrwöchige Aufenthalte zur vorbeugenden Kur oder „Genesung“ in von Krankenkassen, Wohlfahrtsverbänden oder (halböffentlichen) Stiftungen getragenen Kinderkureinrichtungen untergebracht wurden. Über die Geschichte dieser Institutionen und ihre sich wandelnden gesundheitspräventiv-pädagogischen Zielsetzungen liegen bisher nur wenige, forschungsmethodisch gesicherte Erkenntnisse vor. Dies betrifft insbesondere die  konkreten Erfahrungen, die Heranwachsende dort machten. Zahlreiche der bisher publizierten Berichte schildern die oft lieblose und demütigende Behandlung bis hin zu körperlicher Gewalt, denen die Verschickungskinder ausgesetzt waren. Forschungsmethodisch gesicherte Erkenntnisse zu den unterschiedlichen Erfahrungen und Zeiträumen liegen bislang allerdings kaum vor.

Welche Erfahrungen Hamburger Kinder in den Kureinrichtungen in (halb-)öffentlicher Trägerschaft machten und wie diese rückblickend einzuordnen sind, steht deshalb im Zentrum des von der Sozialbehörde und Rudolf-Ballin-Stiftung e.V. in Auftrag gegebenen und in Teilen aus Eigenmitteln finanzierten Lehrforschungsprojektes. Das Forschungsvorhaben bezieht die Studierenden des Master-Studiengangs Soziale Arbeit (Vollzeit) und ihre Erkenntnisinteressen gezielt ein. Es soll damit auch einen Beitrag zur zukünftigen, an Kinderrechten orientierten Ausgestaltung stationärer Erziehung, Betreuung und Versorgung liefern. Damit baut es auf langjährigen Erfahrungen der Ev. Hochschule in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung und Beforschung von institutionellen Erziehungspraktiken aus Akteur_innenperspektive auf.

Ziel ist es, ein möglichst differenziertes Bild zu den Erfahrungen ehemaliger Verschickungskinder, den zeitgenössischen Gesundheitsfürsorgepraktiken sowie ihrer institutionellen, konzeptionellen und personellen Rahmung zu erhalten.

Beschreibung

Die drei Untersuchungsetappen des Lehrforschungsprojektes:

In einem ersten Schritt (1. Halbjahr 2021) werden ehemalige Verschickungskinder online befragt und relevante Verwaltungsakten/Archivbestände ausgewertet. Dadurch sollen erste Anhaltspunkte zur generationalen Bedeutung und Tragweite entsprechender Erfahrungen, zur Personalsituation und organisatorischen Rahmung sowie den zeitgenössischen Erziehungs- und Kurierungsvorstellungen gewonnen werden.

Ab dem Wintersemester 2021/22 werden etwa 12 Studierende des Master-Studiengangs Soziale Arbeit (Vollzeit) der Ev. Hochschule im Rahmen einer Forschungs- und Entwicklungswerkstatt (FEW) in die Untersuchung einbezogen. Der methodische Schwerpunkt dieser Projektphase liegt auf der Planung, Durchführung und Auswertung lebensgeschichtlich angelegter, qualitativer Interviews mit Menschen, die im genannten Zeitraum in einer der Einrichtungen der Rudolf-Ballin-Stiftung bzw. des Vereins für Kinder- und Jugendgenesungsfürsorge e.V. untergebracht waren. Darüber hinaus sollen nach Möglichkeit auch ehemalige Bedienstete und weitere Zeitzeug_innen befragt werden. Dies soll teils in Einzel-, teils in Gruppeninterviews erfolgen.

Im Verlauf des Sommersemesters 2023 werden die Ergebnisse der Untersuchung zusammengetragen, diskutiert und bewertet. Mit der Vorlage eines umfassenden Forschungsberichts schließt das Projekt im Juli 2023 ab.

Beteiligung

Das Forschungsprojekt wird durch einen Wissenschaftlichen Beirat begleitet, dem ehemalige Verschickungskinder, Wissenschaftler_innen unterschiedlicher Disziplinen sowie Vertreter_innen der Auftragsgeber_innen angehören sollen. Zur Erläuterung und Diskussion des konkreten Fortgangs der Untersuchung sind mehrere Rückkoppelungsschleifen zwischen Forschenden und Beirat vorgesehen.

Wenn Sie Kontakt mit anderen Betroffenen aufnehmen möchten, wenden Sie sich bitte an die Hamburger Verschickungskinderinitiative: Ansprechperson Peter Krausse, Landeskoordinator Hamburg, E-Mail: verschickungskinder.hh@gmail.com oder Tel.: 040/259068

Für Fragen rund um das Forschungsprojekt  bieten wir eine wöchentliche telefonische Sprechstunde an. Diese findet immer montags zwischen 10.00 und 12.00 Uhr statt. Sie erreichen uns in dieser Zeit unter der Rufnummer: 040/65591-371.

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