Alltagsbewältigung und soziale Ungleichheiten in Zeiten der SARS-CoV-2-Pandemie

Das SARS-CoV-2-Virus und seine Auswirkungen haben den Alltag von allen verändert. Die getroffenen politischen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie stellen den Alltag vieler Menschen auf den Kopf, bisher Selbstverständliches wird zur Ausnahme und die Zukunft ist von einer großen Planungsunsicherheit gekennzeichnet. Vor dieser Situation stand auch die Forschungs- und Entwicklungswerkstatt, welche sich seit Oktober 2019 in Kooperation mit dem Stadteilgesundheitszentrum „Poliklinik“ auf der Veddel u.a. mit Ansätzen der (Nicht-) Nutzer_innenforschung, Methoden qualitativer Sozialforschung und sozialen Determinanten von Gesundheit beschäftigte.

Das Stadteilgesundheitszentrum „Poliklinik“ bietet seit 2017 primärmedizinische Versorgung, Sozial- und Rechtsberatung sowie Gemeinwesenarbeit in Form von Präventionsprojekten. Soziale Verhältnisse wie Armut, Rassismus oder schlechte Wohn- und Arbeitsbedingungen werden vom Stadteilgesundheitszentrum als soziale Determinanten von Gesundheit analysiert und somit zum Gegenstand einer neu-konzipierten Gesundheitsversorgung. Es ist davon auszugehen, dass all diese Aspekte auch in dem Erleben des Alltags und den Bewältigungsmöglichkeiten der vielfältigen Herausforderungen in Zeiten der SARS-CoV-2-Pandemie eine große Rolle spielen.

Master Soziale Arbeit 
Zeitraum
:
SoSe 2020 bis SoSe 2021


Lehrende und Leitung

Anna Köster-Eiserfunke (Dipl. Politikwissenschaftlerin)
FEW.corona.eh@rauheshaus.de
Weitere Informationen zur Forschungswerkstatt:
forschungswerkstatt-corona.de

Während auf den ersten Blick vielleicht alle gleichermaßen vom SARS-CoV-2-Virus und den Maßnahmen zum Social Distancing betroffen scheinen, kann auf den zweiten Blick doch davon ausgegangen werden, dass soziale Ungleichheiten sich sowohl auf die Gefährdung an dem Virus zu erkranken auswirken, als auch die  Gestaltungsmöglichkeiten des eigenen Alltags und die Belastungen beeinflussen.

Seit März 2020 konzentriert sich die Forschungswerkstatt daher vollständig auf das (unterschiedliche) Erleben und Bewältigen der schwierigen Situation unter Berücksichtigung sozialer Ungleichheiten. Dies hat maßgeblich drei Gründe: Erstens spiegelt dieser Fokus die große gesellschaftliche Relevanz und die Bedeutung der Pandemie-Bewältigung für den Kooperationspartner „Poliklinik“. Zweitens wurde derart auch darauf reagiert, dass sich der Feldzugang in Zeiten des Social Distancing sehr erschwert  und die ursprünglich fokussierten Fragestellungen kaum mehr zu bearbeiten waren. Drittens werden durch die Entwicklung einer gemeinsamen Forschung soziale Ungleichheiten und unterschiedliche Betroffenheiten in der Gruppe der Studierenden selbst ein Stück weit aufgefangen.

Im Sommersemester 2020 werden von allen Studierenden qualitative Interviews mit Bewohner_innen aus unterschiedlichen Hamburger Stadtteilen und in ganz verschiedenen Lebenslagen geführt. Dabei wird auch weiterhin ein besonderen Schwerpunkt auf den Stadtteil Veddel gelegt. Zusätzlich wird mit auto-/ethnographischen Beobachtungsprotokollen gearbeitet. Die Auswertung beginnt bereits mit den ersten Interviews und folgt dem Ansatz einer (konstruktivistischen/reflexiven) Grounded Theory (vgl. Kathy Charmaz, Franz Breuer).

Zum Abschluss der Forschungs- und Entwicklungswerkstatt im Frühjahr 2021 werden die Ergebnisse dem Stadtteilgesundheitszentrum „Poliklinik“ zur Reflexion und Fortentwicklung ihrer Praxis zugänglich gemacht.

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